Rückblick auf den Clemenstag 2014

 

In der Spur Jesu. Das Leben nach den evangelischen Räten geht jeden Christen und jede Christin an.

 

„Die drei traditionellen evangelischen Räte Armut – Gehorsam – Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen haben sich in der Spiritualitätsgeschichte aus der Begegnung mit den Evangelien heraus entwickelt. Mit den Stichworten „arm – gehorsam – ehelos“ sieht die Tradition die Lebensform Jesu umschrieben. Diese drei evangelischen Räte bilden miteinander ein Symbol für entschiedene Christusnachfolge. Sie sind deswegen nicht alleiniges Gut der Orden, sondern gelten allen Christen, auch wenn sie je nach Lebensform je anders umgesetzt werden.“ So Schwester Dr. Anneliese Herzig M.Ss.R. in ihrem Vortrag am Clemenstag am Samstag dem 15. März im Kloster Wittem. Sie forderte uns heraus, eine breitere und tiefere Auffassung der drei traditionellen ‚Ordensgelübde‘ zu entwickeln: eine Auffassung die weiter geht als die exklusiven äußerlichen Merkmale des Ordensmannes oder der Ordensfrau.
 

Sr. Herzig während ihres Vortrages„Die evangelischen Räte sind ja“ also Herzig  „Weisungen für eine Lebenskultur nach dem Evangelium. Ein Leben nach den Räten des Evangeliums beantwortet die Frage nach dem ‚Wie?‘: Wie lebst Du, wie gestaltest Du Deine Beziehungen, Deine Geschlechtlichkeit, Dein Besitzstreben? Wie siehst Du die Welt, die Mitmenschen, die Schöpfung? Wie gehst Du mit Deiner Zeit um, wie gehst Du mit dem Raum um, der Dir zur Verfügung steht, wie stehst Du zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?

Die evangelischen Räte sind nicht nur asketische Weisungen, die Leben einschränken, sondern Wege, zur Fülle des Lebens zu gelangen. Gleichzeitig bleibt ihnen auch die Dimension des Kreuzes eingeschrieben, weil sich in ihnen die „Knechts-Existenz“ Jesu ausdrückt, die in seinem Tod am Kreuz gipfelt.

Es gibt den „Geist“ und die „Praxis“ der evangelischen Räte. Beide stehen miteinander in einem wechselseitigen Prozess und können nicht gegeneinander ausgespielt werden. Auch ist es nicht so, dass es für eine Gruppe von Christen genügt, den Geist der Räte zu haben, während die anderen (die Ordensleute) „auch“ die Praxis kennen. Es geht bei allen Lebensformen um beides: eine angemessene Form der tatsächlichen Verwirklichung zu finden, die auch für andere sichtbar ist, und die entsprechende Haltung zu pflegen und zu entwickeln.“

 

Het dankbare publiek in de historische bibliotheek van Klooster Wittem.

Das ‘Publikum’ in der historischen Bibliothek vom Kloster Wittem

Insbesondere ging die Sprecherin auf den Rat der Ehelosigkeit ein. Dieser Rat stell uns vor die Frage: “Wie gestalten wir Sexualität und Körperlichkeit, die Sehnsucht nach einem Partner oder einer Partnerin? Wie gestalten wir Beziehungen, In diesem Sinne geht der Rat alle an, ungeachtet der Lebensform. ‚Keuschheit‘ bedeutet ja: Loslassen (den Anderen nicht als Besitz betrachten und nicht in eine Beziehung fliehen), Transparenz; eine Kultur des ‚Mir-in-die-Karten-schauen-Lassens‘, liebende Ehrlichkeit, den anderen/die andere nicht als „Objekt meiner Selbst“ missbrauchen, Versöhnung suchen mit anderen und mir selbst. Ehelosigkeit befreit zum Loslassen und zum Bewusstsein dass „Gott allein genügt“, zur Transparenz und zum Geheimnis des Anderen. Es befreit zum wahren Gott hin und zur Hoffnung und zur Schönheit.“

Mit ihrem Vortrag gab Sr. Anneliese einen inspirierenden Impuls an den alljährlichen Clemenstag der redemptoristischen Familie. Es war mehr als ein glücklicher Zufall dass gerade an diesem Tag auch die neuen Assoziierten der Provinz St. Clemens vorgestellt werden konnten: acht Frauen und Männer aus den Niederlanden, Deutschland und Flandern, die am 14. März eine spezielle Verbindung mit den Redemptoristen der Provinz St. Clemens eigegangen sind. Gemeinsam mit Pater Provinzial Johannes Römelt hatten sie den Gottesdienst am Clemenstag gestaltet. In seiner Predigt betonte Pater Römelt wie wichtig es ist die ‚Fülle der Erlösung‘, die uns im Evangelium angesagt worden ist, mit einander zu teilen. Er rief dazu auf, die Sensibilität in der Wahrnehmung dieses Reichtums zu kultivieren.

 

Der Provinzial stellt die neuen Assoziierten voor.

Der Provinzial stellt die neuen Assoziierten vor.


Den vollständigen Text des Vortrags von Sr. Herzig finden Sie hier.

Und hier sind noch mehr Bilder über diesen ereignisreichen Tag in Kloster Wittem zu finden.

 

Veröffentlicht am: 2014-03-15


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